Augen auf beim Schulranzenkauf

Neue DIN-Norm für mehr Sicherheit

Ein Schulranzen sollte gut sichtbar, ergonomisch – sprich rückenfreundlich – und natürlich funktional sein. Ob ein Schulranzen all dies ist, können Eltern beim Kauf am GS-Zeichen und dem Hinweis „entspricht DIN-Norm 58124“ erkennen.

Jetzt wurde die DIN-Norm 58124 für Schulranzen überarbeitet. Warum? Was hat sich dadurch geändert?

Werner Sterk liefert Antworten und Informationen aus erster Hand. Sterk leitet den Fachbereich Sicherheitstechnik der KAN-Geschäftsstelle und ist stellvertretender Obmann des DIN-Ausschusses „Schulranzen“. Die Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) hat die Aufgabe, die Normungsarbeit aus Sicht des Arbeitsschutzes zu begleiten und dessen Interessen in die Normung einfließen zu lassen. 


Werner Sterk liefert Antworten zur neuen Schulranzennorm DIN 58124

Immer häufiger werden Schulranzen verkauft, die die Anforderungen der DIN-Norm unterlaufen. Vor allem werden die für die Sichtbarkeit wichtigen fluoreszierenden Leuchtflächen einfach weggelassen. Argument der Hersteller: Die von den Autowarnwesten bekannten Farben orangerot und gelb passen nicht so recht zu einem coolen Design. Mit der Überarbeitung der Norm haben wir nach Wegen gesucht, um Design- und Sichtbarkeitsanforderungen besser miteinander zu vereinen. Wichtigste Neuerung ist, dass die Norm jetzt weitere fluoreszierende Farben wie gelbgrün oder pink zulässt. Damit hat der Hersteller mehr Auswahl beim Design des Schulranzens.

Was die Sichtbarkeit angeht, sind auf dem Ranzen angebrachte Reflektorstreifen, die bei Dunkelheit das Licht, etwa von Autoscheinwerfern,  reflektieren, eine gute Sache. Aber reicht das aus? Welche anderen „technischen Finessen“ gibt es, damit Kinder im Straßenverkehr besser gesehen werden können?

Eine gute Sichtbarkeit von Kindern im Straßenverkehr hilft, Unfälle zu vermeiden. Reflektoren sind im Dunkeln unverzichtbar, reichen aber allein nicht aus. Genauso wichtig sind große fluoreszierende Leuchtflächen hinten und seitlich am Schulranzen. Sie fallen am Tag und in der Dämmerung besonders auf. Über das Jahr gesehen sind zu diesen Zeiten die Grundschulkinder am häufigsten unterwegs.

Was ist der Unterschied zwischen fluoreszierendem und reflektierendem Material? 

Reflektoren benötigen eine Lichtquelle wie einen Autoscheinwerfer, deren Licht sie zurückwerfen können. Sie erhöhen damit sehr gut die Warnwirkung bei Dunkelheit. Fluoreszierendes Material erhöht dagegen die Warnwirkung am Tag und in der Dämmerung, ohne dass es dazu angeleuchtet werden muss. Es hat die faszinierende Eigenschaft, das Umgebungslicht zu verstärken, und leuchtet selbst bei wenig Restlicht.

Die Anprobe vor dem Kauf ist das A und O, schließlich muss der Ranzen auch gut sitzen. Doch wie erkennt man, ob der Schulranzen zum jeweiligen Kind passt? Und worauf ist in Sachen Ergonomie besonders zu achten? 

Der Ranzen muss sowohl mit T-Shirt als auch mit dicker Jacke gut sitzen und darf nicht von den Schultern rutschen. Dazu trägt ein Brustgurt bei, der auch benutzt werden will. Der Rückenteil sollte ergonomisch geformt sein. Er lässt sich bei einer Reihe von Modellen an die Rückenlänge anpassen. Die Schultergurte dürfen den Hals des Kindes nicht einengen. Der Schulranzen sollte nicht zu tief sitzen, aber auch nicht über die Schultern hinausragen. Ob der Schulranzen in leerem Zustand ein paar Gramm mehr oder weniger wiegt, ist nicht entscheidend. Relevant ist das Gewicht des gepackten Schulranzens. Eltern sollten daher darauf achten, ob die Schulsachen, die ihre Kinder mit sich herumtragen, wirklich jeden Tag gebraucht werden.

Der Blick in den Schulranzen gibt Aufschluss darüber, ob der Ranzen auch funktional ist. Wie sollten idealerweise die Fächer aufgeteilt sein? Und worauf ist sonst noch zu achten?

Die Aufteilung der Fächer sollte so sein, dass schwere Gegenstände dicht am Rücken platziert werden können. In Außen- und Seitentaschen können weitere Gegenstände wie Trinkflasche und Brotdose verstaut werden. Am besten diese zur Anprobe mitnehmen.

Zusammenfassend: Auf was sollte vor dem Kauf besonders geachtet werden? 

Eltern sollten sich bereits vor dem Kauf informieren. Sie können dazu Verbrauchertests (z. B. Test der Stiftung Warentest oder Öko-Test) durchlesen. Eine kompetente Beratung in einem Geschäft, das Modelle verschiedener Hersteller führt, ist ebenfalls wichtig. Sie sollte dazu führen, dass ein Ranzen gewählt wird, der gut sitzt und mit reflektierenden und fluoreszierenden Flächen ausgestattet ist. Wichtig: Der Schulranzen soll dem Kind gefallen, aber das Design allein darf nicht den Ausschlag geben. Sicherheit geht vor! Wer einen Schulranzen nach DIN 58214 kauft, ist hier auf der sicheren Seite.

Und was machen Eltern, deren Kinder Schulranzen von gestern tragen? Ist das noch verantwortbar oder kann man nachrüsten?

Wenn der Schulranzen die alte Norm eingehalten hat, ist alles in Ordnung. Eine Nachrüstung von fluoreszierenden Flächen sehe ich als schwierig an. Am besten direkt beim Hersteller nachfragen. Helfen kann eine Warnweste für Grundschüler, die es auch mit Kapuze gibt. Nur: Die Weste wird vom Schulranzen teilweise verdeckt und muss täglich angezogen werden. Einen Schulranzen hat das Kind immer dabei. Die Sichtbarkeit ist dann sozusagen eingebaut, wenn der Schulranzen der DIN-Norm entspricht. Daher Augen auf beim Kauf!


Gremium für die Schulranzennorm

Die neue Schulranzennorm DIN 58124 ist im Oktober erschienen. Im Normungsgremium waren Hersteller, Zulieferer, Hochschulen, der DIN-Verbraucherrat sowie der TÜV vertreten. Da das Thema „Sicherheit auf dem Schulweg“ für die gesetzliche Unfallversicherung wichtig ist, arbeiteten auch das DGUV-Sachgebiet Schulen, das Institut für Arbeitsschutz der DGUV und die Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) mit.