Quelle: Irrsinnig menschlich

Verrückt? Na und!

Seelisch fit in der Schule - Jugendliche lernen, psychische Probleme anzusprechen

Kein Lebensalter ist so anfällig für Probleme wie die Jugendzeit! Diese zu lösen, übersteigt oftmals die eigenen Möglichkeiten junger Menschen. Seelische Krankheiten, Süchte, selbstschädigendes Verhalten beginnen am häufigsten in der Pubertät. Doch nicht selten vergehen Jahre, bis Betroffene Hilfe suchen und finden. Die größte Hürde für sie ist die Angst, stigmatisiert zu werden – als nicht normal zu gelten.

Das Präventionsprogramm „Verrückt? Na und!“ für Jugendliche ab Klasse 8 und ihre Lehrkräfte will diese Zeitspanne verkürzen, indem es zeigt, dass psychische Krisen besprechbar sind. Es besteht im Kern aus Schultagen zur seelischen Gesundheit und hilft Jugendlichen, ihre Not früher zu erkennen, sich nicht zu verstecken und Unterstützung anzunehmen. Damit erhöhen sich unter anderem die Chancen

eines Schul- und Ausbildungserfolgs.

„Die starke Wirkung von ‚Verrückt? Na und!‘ entsteht insbesondere durch die Begegnung mit Menschen, die seelische Krisen erlebt und gemeistert haben“, so die Erfahrung der fachlichen und persönlichen Expertinnen und Experten, die in die Schulen gehen und den Schultag als Team vor Ort durchführen.

Hintergrund
Seelische Krisen beginnen häufig in der Jugend, haben oftmals „gute“ Gründe und begleiten viele jungen Menschen beim Heranwachsen.

Psychische Krisen

  • verbergen sich häufig hinter Problemen wie Drogen, Alkohol, Mobbing, Gewalt, Schulabstinenz, Schulabbruch und suizidalem Verhalten.
  • beeinträchtigen das Klassenklima und den Schulerfolg.
  • werden meist zuerst von Lehrkräften erkannt.
  • sind mit Ängsten, Vorurteilen und Stigmata behaftet.
  • kann man überstehen und daran wachsen.

Schule als Schutzraum
Die Schule ist das ideale Setting für Prävention und Gesundheitsförderung, weil Schülerinnen und Schüler den größten Teil ihrer aktiven Zeit dort verbringen. Das bedeutet, Schutzfaktoren für gutes Aufwachsen zu stärken und Risikofaktoren zu minimieren. Dazu gehört der Umgang mit seelischen Krisen und Nöten, der in guten Zeiten, d. h. präventiv, geübt werden sollte. Es lohnt sich, mit seelischer Gesundheit gute Schule zu machen, denn das kann eine Menge Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden verringern.

Ziele des Schultags
Die Teilnehmenden

  • lernen Warnsignale seelischer Krisen kennen.
  • diskutieren jugendtypische Bewältigungsstrategien.
  • hinterfragen Ängste und Vorurteile gegenüber psychischen Krisen.
  • erfahren, wer und was helfen kann.
  • finden heraus, was ihre Seele stärkt.
  • begegnen Menschen, die seelische Krisen gemeistert haben.

Der Schultag konkret
Der Schultag für Jugendliche ab Klasse 8 besteht aus drei Teilen.

Ansprechen statt ignorieren: sensibilisieren für seelische Gesundheit in Schule
Das Team knüpft an die Lebenserfahrungen der Schülerinnen und Schüler an und ermuntert sie, sich mit ihren Erfahrungen, Fragen und Vorstellungen zum Thema einzubringen.  Häufige Themen sind z. B. Schulleistungen, Prüfungsstress, Mobbing, Süchte, Belastungen in der Familie, Krankheit oder Suizid.

Glück und Krisen
Die Jugendlichen beschäftigen sich in Gruppen mit Aufgaben wie „Sich zu helfen wissen“, „Wie Körper und Seele zusammenhängen“ oder „Neue Medien: Nützlich für die Seele?“. Das Team begleitet und unterstützt die Gruppe.

Mut machen, durchhalten, Wellen schlagen
Besonders wichtig ist die Begegnung mit Betroffenen. Damit bekommt das komplexe Konstrukt „Seelische Gesundheit“ ein Gesicht, ist zum Greifen nah – und dabei ganz normal.

Das Outen der persönlichen Expertinnen oder Experten löst häufig großes Erstaunen bei den Beteiligten aus. Sie erfahren, wie sich eine Depression oder Psychose anfühlt, wo man Hilfe erhalten kann und wie wichtig es ist, gute Freunde zu haben und gemeinsam das Leben mit allen Höhen und Tiefen zu meistern.
Diese unerwartete Begegnung ist der Schlüssel zur Veränderung von Einstellungen und bestenfalls Verhalten.

 

„Verrückt? Na und!“ hat Bezüge zum Lehrplan und lässt sich gut mit anderen Jugendförder- und Präventionsprogrammen – beispielsweise MindMatters – verbinden.

Die Unfallkasse Rheinland-Pfalz unterstützt das Programm inhaltlich. Sie arbeitet zusammen mit dem Verein „Irrsinnig Menschlich“, dem Beratungscafé unplugged in Mainz und der  BARMER an einem flächendeckenden Ausbau der Regionalgruppen in Rheinland-Pfalz.

Kleiner Aufwand – große Wirkung
Seit über 15 Jahren begeistert Irrsinnig Menschlich e. V. junge Menschen mit Präventionsangeboten zur psychischen Gesundheit. Der Verein vermittelt Wissen, klärt auf und schafft Begegnungen mit Menschen, die psychische Krisen gemeistert haben.

Durch seine Arbeit unterstützt er ein gesellschaftliches Klima, in dem psychische Probleme nicht stigmatisiert, sondern akzeptiert werden, junge Menschen Schwierigkeiten überwinden und an ihren Erfahrungen wachsen können.

Die Qualität von „Verrückt? Na und!“
„Verrückt? Na und!” ist Modellprojekt zur Umsetzung der nationalen Gesundheitsziele „Gesund aufwachsen“ und „Depressive Erkrankungen verhindern“, steht auf der Grünen Liste Prävention – CTCDatenbank Deutschland für empfohlene Präventionsprogramme, hat das Wirkt-Siegel von PHINEO im Themenfeld Depression erhalten und wurde in mehreren Bundesländern mit Gesundheits- und Präventionspreisen ausgezeichnet. Die BARMER ist bundesweiter Präventionspartner für das Programm.

Den „Verrückt? Na und!“-Schultag an die Schule holen

Derzeit gibt es fast 70 regionale Standorte in Deutschland, in Rheinland-Pfalz bisher eine Regionalgruppe Mainz:

unplugged – Das Beratungscafé,
gpe gGmbH
Christopher Haas,
Telefon: 06131 9067600,
Leibnitzstraße 47, 55118 Mainz
E-Mail: unplugged@gpe-mainz.de,
www.unplugged.gpe-mainz.de

Kontaktieren Sie bitte die Regionalgruppe oder wenden Sie sich direkt an:

Irrsinnig Menschlich e. V.
www.irrsinnig-menschlich.de

Ansprechpartnerin bei der Unfallkasse Rheinland-Pfalz

Bitte wenden Sie sich an:

Stefanie Kuhn
Telefon: 02632 960-3580
E-Mail: s.kuhn@ukrlp.de