Feuerwehr Speyer lebt Kampagne

Dialog und Aussprache ausdrücklich erwünscht

Wie gehen wir im Arbeitsalltag miteinander um? Wie reagieren wir, wenn etwas schiefgelaufen ist? Wie teilen wir Informationen? Dies sind nur einige Fragen, mit denen sich die Feuerwehr Speyer im Alltag intensiv auseinandersetzt.

„Die Präventionskampagne kommmitmensch hat bei uns den Stein ins Rollen gebracht“, erzählt Wachleiter Peter Eymann, Initiator der kommmitmensch-Dialoge in der Feuerwehr Speyer. „Allen Abteilungen ist der Austausch sehr wichtig“, sagt er. „Die Dialogbox der Kampagne ist ein tolles Hilfsmittel, um Handlungsfelder wie Führung, Beteiligung und Fehlerkultur zu thematisieren und zu beleuchten“, ergänzt er.


Hier nimmt man sich trotz hoher Arbeitsbelastung Zeit für den Austausch

Die Feuerwehr Speyer nimmt sich regelmäßig Zeit für den Austausch. Das stärke das Wir-Gefühl und habe viele positive Nebenwirkungen. „Und diese können wir gut gebrauchen. Denn derzeit arbeiten wir unter erschwerten Bedingungen“, sagt Eymann. Die Hauptwache an der Industriestraße in Speyer bedürfe dringend einer Erweiterung. „Inzwischen ist die Standortfrage geklärt“ berichtet er. „Die Feuerwache bleibt in der Industriestraße, wird aber vollständig umgebaut, ertüchtigt und erweitert. Gemäß einer ersten Bauleitplanung ist es erklärtes Ziel, alle Maßnahmen bis Mitte 2024 abgeschlossen zu haben“, sagt der Chef der hauptamtlichen Feuerwehr Speyer zuversichtlich. Der Seminarraum wurde zu einem Bereitschaftsraum, die Ruheräume wurden in Containern eingerichtet. „Die beengte Situation wirkt sich auch auf das gesellige Miteinander aus. Wir geben alles, um die Belastungen für unsere Feuerwehrangehörigen so gering wie möglich zu halten“, betont Richard Bummel, Fachkraft für Arbeitssicherheit. „Technisches Nachrüsten und die Organisation von Sicherheitsmaßnahmen wollen in dieser Situation besonders gut abgestimmt sein“, ergänzt Wachleiter Eymann.


40 Beschäftigte und Beamte im feuerwehrtechnischen Dienst

40 Beschäftigte und Beamte im feuerwehrtechnischen Dienst arbeiten hauptamtlich in der ständig besetzten Feuerwache Speyer. Sieben Personen sind rund um die Uhr im Einsatz. Gearbeitet wird im 24-Stunden-Dienst. Hinzu kommen rund 100 ehrenamtliche Feuerwehrangehörige. 

„Wir können froh sein, diese Leute zu haben“, sagt Bummel - auch mit Blick auf die Einsatzzahlen: 799mal rückten die Feuerwehrangehörigen der kreisfreien Domstadt im vergangenen Jahr aus – Tendenz steigend. „Es sieht so aus, als ob wir in diesem Jahr die 800er-Grenze knacken würden“, schätzt Eymann nach dem derzeitigen Stand der Einsatzfahrten.


Neue Wege

Nicht nur bei den täglichen Belastungen im Feuerwehrdienst sind Teamgeist und Zusammengehörigkeitsgefühl wichtige Grundlagen. „Der Zusammenhalt innerhalb der Wehr und der Wehrleitung ist perfekt“, sagt der Wachleiter mit Stolz. Auch, wenn es unter den derzeitigen Umständen nicht immer einfach sei.

Seit der Vorstellung der Präventionskampagne kommmitmensch bei einem Seminar in Kirchheimbolanden durch die Unfallkasse beschreitet er mit seinen Kameradinnen und Kameraden neue Wege.  „Die Kampagne bietet mit ihren Handlungsfeldern hervorragende Möglichkeiten, einzelne Tools im Alltag einzubinden und damit die Kommunikation und die Zusammenarbeit zu optimieren“, konstatiert er. Vor allem der Einsatz der Dialogbox begeistert ihn, und er spricht aus Erfahrung.

In den vergangenen Monaten hat Eymann auf Grundlage dieser Materialien mit allen Wachabteilungen – mit jeweils neun Personen – Workshops durchgeführt.  Durch den Einsatz der Moderationsmedien wie Poster, Dialogkarten und Handlungshilfen lassen sich Beispiele aus dem Arbeitsalltag thematisieren und Lösungsideen erarbeiten. „Genauso tickt die Feuerwehr. Diese Herangehensweise ist für uns kein unbekanntes Feld. Die Dialogbox ist einfach und logisch aufgebaut und eignet sich hervorragend, um Handlungsfelder wie Fehlerkultur, Führung oder Beteiligung einem konstruktiven Austausch zu vertiefen“, sind sich Eymann und Bummel einig. Außerdem, so Bummel, bilde sie eine gute Grundlage zur Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen.


Auch Oliver Nolden, zuständige Aufsichtsperson bei der Unfallkasse Rheinland-Pfalz, zeigt sich vom Engagement der Feuerwehr Speyer zur Steigerung der Präventionskultur begeistert. „Schön, dass die Feuerwehrangehörigen diesen Mehrwert erkennen und zu nutzen wissen“, sagt Nolden. 

Für die Kampagne „kommmitmensch“ wurde eine Vielzahl von Instrumenten für den täglichen Einsatz entwickelt. Neben der Dialogbox gibt es Informationsangebote – von der sofort nutzbaren Checkliste über Wissenswertes in Broschüren und Praxishilfen bis hin zu Erklärfilmen.

 „In allen Abteilungen kam zum Ausdruck, dass ein offener Dialog und eine gute und zugewandte Zusammenarbeit ausdrücklich erwünscht sind“, fasst Eymann das Fazit der Workshops zusammen.

Auch habe man wichtige Schnittmengen bei den ehrenamtlich Tätigen und den hauptamtlichen Feuerwehrangehörigen feststellen können. Zum Beispiel bei den Übungen. Die Konsequenz: Die Wachabteilungen begleiten jetzt die ehrenamtlich Tätigen bei ihren Trainingseinheiten und tauschen sich anschließend aus.

„Das ist ein Beispiel von vielen weiteren Erkenntnissen, die in der künftigen Zusammenarbeit berücksichtigt werden“, so Eymann. Auch Themen wie Brandschutzkleidung, Unfallanalyse und betriebliches Vorschlagswesen wurden mit der Dialogbox erarbeitet. „Die offene Aussprache ist der Wunsch aller Beteiligten“, haben Eymann und Bummel festgestellt. Daher bleibt das Arbeiten mit der Dialogbox auch keine „Eintagsfliege“. Die Workshops werden regelmäßig in allen Wachabteilungen fortgesetzt.


Inzwischen zeigen sich auch anfängliche Skeptiker überzeugt: „Es funktioniert. Das macht Spaß und bringt gute Ergebnisse. Es hat uns wirklich weitergebracht“, sagt zum Beispiel Werner Junek.

„Ob Ehrenamt oder Bedienstete: Wir möchten uns alle als eine Feuerwehr sehen. Und die Einrichtung eines wiederkehrenden gemeinsamen Tags in der Kultur des Miteinanders, davon profitieren wir alle“, sind sich Wachleiter Eymann und die Fachkraft für Arbeitssicherheit Bummel einig.

Mehr Infos zur Dialogbox und den Seminaren der Unfallkasse zur Kultur der Prävention unter https://www.ukrlp.de/seminare/ .