Foto: AdobeStock/DGUV

Gemeinsam für gesunde und sichere Arbeitsplätze

Unfallkasse und Berufsgenossenschaft arbeiten mit Schwerpunkt „Schutz vor Abstürzen“ Hand in Hand

Es wird gebohrt, gehämmert und saniert – und das mitten im laufenden Dienst: Im Polizeipräsidium Koblenz wird an vielen Ecken gebaut. Doch auch in diesem dynamischen Umfeld soll die Sicherheit für Beschäftigte des Präsidiums und von den dort arbeitenden Firmen an erster Stelle stehen. Dafür bündeln die Unfallkasse Rheinland-Pfalz (UK RLP) und die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) ihre Kräfte: Bei einer gemeinsamen Begehung im Rahmen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) zeigen sie, wie moderne Prävention in der Praxis funktioniert.

Trägerübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen der GDA

Eine Personengruppe, gruppiert um eine alte Notrufsäule.
Nostalgisches wie die alte Notrufsäule und Hochmodernes wie die neue Führungszentrale liegen im Polizeipräsidium Koblenz nah beieinander (von links): die Aufsichtspersonen Martin Breitkopf (BGHM) und Markus Schulte (UK RLP) mit Alexander Lukas, Fachkraft für Arbeitssicherheit des Präsidiums, Joachim Müller, Leiter des Liegenschaftsreferats im Polizeipräsidium, und Hausverwalter Waldemar Styckel.

Der gemeinsame Termin im Polizeipräsidium findet in einem strategischen Rahmen statt: die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA), bei der Arbeitsschutzbehörden, Unfallkassen und gewerbliche Unfallversicherungsträger ein gemeinsames Vorgehen abgestimmt haben. Ziel ist es, die Kräfte der verschiedenen Träger zu bündeln, um gemeinsam mit Arbeitsschutzverantwortlichen und Beschäftigten Arbeitsunfälle wirksam zu verhindern. In den Jahren 2026 und 2027 stellt die GDA die Prävention von Absturzunfällen in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten. 

Bereits seit Anfang des Jahres suchen Aufsichtspersonen der staatlichen Arbeitsschutzbehörden und der Unfallversicherungsträger Betriebe und Baustellen verstärkt gemeinsam auf, um mit Verantwortlichen und Beschäftigten gezielt über die Gefahren von Abstürzen am Arbeitsplatz zu sprechen und die Umsetzung von Schutzmaßnahmen zu kontrollieren. Sie nutzen dieses Engagement, um direkt vor Ort bei ihren jeweiligen Mitgliedsbetrieben nach dem Rechten zu sehen und die Betriebe zu sensibilisieren. Auch sollen neue Wege der Zusammenarbeit getestet werden. 

Die Begehung im Polizeipräsidium zeigt, wie diese Verzahnung in der Praxis funktionieren kann: Das Präsidium als Behörde ist Mitgliedsunternehmen der UK RLP, einige der am Umbau beteiligten Firmen wiederum gehören zur BGHM. Statt nebeneinanderher zu arbeiten, blicken die Aufsichtspersonen beider Träger hier gemeinsam auf die Sicherheit aller Beteiligten.

Spagat zwischen Polizeialltag und Bauarbeiten

Dass im Polizeipräsidium viel gebaut wird, hat zwei Gründe: Zum einen verlangt der Zustand des alten Gebäudekomplexes aus den 1970er-Jahren nach Modernisierung, zum anderen erfordern neue, gewachsene Aufgaben eine modernere Infrastruktur. So wurde erst vor Kurzem die hochmoderne Führungszentrale fertiggestellt, in der alle Notrufe der Region einlaufen. 

Bereits auf dem Weg zum Vorgespräch stoßen Markus Schulte und Martin Breitkopf, Aufsichtspersonen der UK RLP und der BGHM, vor den Aufzügen auf eine offene Deckenverkleidung. Der Grund sind Wartungsarbeiten an den Brandschutzklappen. Um dafür die Deckenverkleidung zu öffnen, haben die Arbeitsschutzverantwortlichen des Polizeipräsidiums ein Konzept für sicheres und ergonomisches Arbeiten erstellt: Die Verkleidung muss von zwei Personen entfernt werden. Statt mit Leitern wird auf einem Rollgerüst gearbeitet, das die gesamte Breite der Deckenverkleidung abdeckt. Im Sinne der GDA ein Beispiel guter Praxis für den Schutz vor Absturz.

Abstimmung und Planung sind das A und O

Eine Personengruppe in einem Raum, der offensichtlich eine Baustelle ist.
Nehmen die Baustelle unter die Lupe (von links): Martin Breitkopf von der BGHM, Joachim Müller, Leiter des Liegenschaftsreferats im Polizeipräsidium, Alexander Lukas, Fachkraft für Arbeitssicherheit des Präsidiums, und Markus Schulte von der UK RLP.

Verantwortlicher Auftraggeber aller Baumaßnahmen im Präsidium ist der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB). Doch die Verantwortlichen des Polizeipräsidiums sind stets auf dem Stand der Dinge. „Wir werden auf jeden Fall über alle Baumaßnahmen informiert“, betont Joachim Müller, Leiter des Liegenschaftsreferats. Schutzmaßnahmen würden gemeinsam geplant und abgestimmt, denn im laufenden Betrieb lassen sich betroffene Bereiche nicht immer komplett sperren. Hier ist Planung alles – neben Arbeiten in der Höhe etwa auch bei Lärmemissionen oder Materiallieferungen. Um die Belastung so gering wie möglich zu halten, weichen Beschäftigte phasenweise auch ins Homeoffice aus.

Besonders herausfordernd sind Arbeiten, die im laufenden Betrieb stattfinden. Im ersten Obergeschoss weicht gerade der Linoleumboden aus den Siebzigern neuem Vinylparkett. Schulte und Breitkopf schauen ganz genau hin: Stimmen die Sicherheitsmaßnahmen für die Beschäftigten und Personen im Umfeld? Wird beim Schleifen des Bodens der gefährliche Quarzstaub ordnungsgemäß abgesaugt? Sind Staubsauger mit Filterklasse M und auf keinen Fall Besen im Einsatz? Ist die Ausrüstung geprüft? BGHM-Experte Breitkopf nickt. Das Konzept aus technischen, organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen der Firma hat ihn überzeugt.

Weniger optimal sind die Zustände auf der nächsten Teilbaustelle, wo Umkleiden und Toiletten ebenfalls im „bewohnten Zustand“ saniert werden. Eine Staubschicht auf einem Handtuch am Haken zeugt von der Belastung. „Das Thema Staub bitte dringend angehen“, mahnt Markus Schulte von der UK RLP.

Für ein überraschtes Schmunzeln sorgt ein Fund in einem Besprechungsraum, der derzeit zu einem großen Sozialraum umgebaut wird. Bauarbeiter sind gerade nicht zu Gange, dafür steht eine etwas in die Jahre gekommene Haushaltsleiter im Raum. „Keine Ahnung, wo die herkommt“, wundert sich Joachim Müller. Die schnelle Überprüfung zeigt: Sie gehört zum Inventar des Präsidiums, ist aber bereits zum Ausmustern vorgesehen. Breitkopf und Schulte nutzen die Situation, um den GDA-Schwerpunkt Absturzsicherung und die Verwendung von Leitern anzusprechen, während dieses Exemplar sofort aus dem Verkehr gezogen wird.

Einblicke, die Spuren hinterlassen

Wie nah Baustelle und hochsensibler Polizeialltag beieinanderliegen, zeigt sich kurz darauf: Als die Aufsichtspersonen die nagelneue Führungszentrale betreten, tragen sie unweigerlich den Baustellenstaub mit sich hinein – gut sichtbar als weiße Fußabdrücke auf dem dunklen Teppichboden. Hier wird das Defizit in Bezug auf die Baumaßnahmen sichtbar. Auch wenn zum Zeitpunkt der Begehung keine Arbeiten in dem Bereich stattgefunden haben, besteht hier Handlungsbedarf.

Am Ende der Begehung steht fest: Das Zusammenspiel zwischen den beiden Unfallversicherungsträgern führt zum Ziel: der Förderung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf Augenhöhe mit den Arbeitsschutzverantwortlichen der verschiedenen Betriebe – derzeit mit dem Schwerpunkt Absturz, aber natürlich immer als nachhaltiges Gesamtpaket. Die enge Abstimmung sorgt dafür, dass Mängel frühzeitig erkannt und behoben werden können, um die Gefährdung für das eigene Personal und externe Beschäftigte so gering wie möglich zu halten.

E-Mail