Im Team psychischen Belastungen auf der Spur

Gefährdungsbeurteilung: Landeskrankenhaus setzt auf Tea(m)Time

Die Berücksichtigung psychischer Belastung in der Gefährdungsbeurteilung ist eine arbeitsschutzrechtliche Pflicht.

Doch viele Unternehmen und Betriebe stehen dieser Pflicht  etwas ratlos gegenüber und sind bei der Umsetzung noch ganz am Anfang.

Wie es funktionieren kann, hat das Landeskrankenhaus mit Sitz in Andernach vorgemacht: Hier tauschen sich die beschäftigten in regelmäßig stattfindenden „Tea(m)Times“ über die Belastungen am Arbeitsplatz aus und erarbeiten Lösungsansätze.

Ein Jahr lang wurde die Tea(m)Time in verschiedenen Einrichtungen des Landeskrankenhauses als Pilotprojekt durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass das auf eigene Faust konzipierte Workshop-Verfahren durchaus das Zeug dazu hat, in die Gefährdungsbeurteilung integriert zu werden.

Mit rund 4.000 Beschäftigten ist das Landeskrankenhaus der landesweit größte Krankenhausträger im psychiatrisch-psychotherapeutischen und neurologischen Bereich. Als Arbeitgeber ist ihm die Förderung der Gesundheit der Beschäftigten ein zentrales Anliegen. Das zeigt sich auch darin, dass das Landeskrankenhaus schon längst ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) eingeführt hat, das von einem Lenkungskreis gesteuert wird. Und in eben diesem BGM-Lenkungskreis hat auch die Idee der „Tea(m)Time“ ihren Anfang genommen.

Und wie funktioniert die Tea(m)Time? Bei einer Tasse Tee setzen sich die Teammitglieder bei den von Führungskräften moderierten Treffen zusammen, um sich eingehend den Belastungen am Arbeitsplatz zu widmen. Das Projekt verfolgt vielfältige organisationsbezogene Ziele: Teilhabe, Mitentscheiden, Selbst- und Wirksamkeitserfahrungen, Förderung der Gesundheitsressourcen sowie Stärkung der Gesundheitskompetenzen. Die Teilnahme ist für alle Mitarbeitenden offen und geschieht innerhalb der Arbeitszeit. Dadurch sind die Einbeziehung der Beschäftigten und ein hoher Grad an Partizipation möglich.

Trotz des griffigen Wortspiels ist die Tea(m)Time weit mehr als nur eine „Teatime im Team“. „Es ist kein Kaffeekränzchen“, betont Sonja Wittmann, Präventionsmitarbeiterin des Referats „Gesundheit im Betrieb“ bei der Unfallkasse Rheinland-Pfalz. Die Diplompsychologin hat das Pilotprojekt des Landeskrankenhauses als Beobachterin begleitet und ist dabei ganz konkret der Frage nachgegangen, ob das Verfahren der Tea(m)Time die Anforderungen der Unfallkasse Rheinland-Pfalz bezüglich der Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastung erfüllt. Am Ende ihrer Evaluation stand ein klares „Ja“.

Sie möchten mehr erfahren?

Die Broschüre „Tea(m) Time! Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastung“ ist ab September im Internet unter www.ukrlp.de abrufbar.

Im Evaluationsbericht, den die Unfallkasse nun auch als Broschüre herausbringt, wird das  folgende Fazit gezogen: „Insgesamt betrachtet bewertet die Unfallkasse Rheinland-Pfalz die Tea(m)Time als ein vorbildliches Verfahren für die Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastung.“ Sonja Wittmann hofft, dass die Initiative des Landeskrankenhauses nun anderen Betrieben als anschauliches Beispiel dienen und Mut machen kann, ebenfalls eigene Gruppenverfahren zu entwickeln. Mit Hilfe der Kriterien aus dem Evaluationsbericht können auch bereits bestehende Verfahrensweisen zur Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastung geprüft werden. „Die Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastung ist kein Hexenwerk“, betont Wittmann. Man könne zwar, müsse aber keine teuren externen Beraterfirmen mit ins Boot nehmen – auch ein eigenes Verfahren kann Hand und Fuß haben, wie am Beispiel der Tea(m)Time gut zu sehen ist.