Sicher. Gesund. Miteinander.

Haben Führungskräfte nicht schon genug zu tun?

Ein Interview zur neuen Kampagne mit Präventionsleiter Andreas Hacker

kommmitmensch so lautet der Titel der bundesweiten Kampagne, die die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung im Frühjahr startet.

Bestandteil der Kampagne sind die sechs Handlungsfelder Führung, Kommunikation, Beteiligung, Fehlerkultur, Betriebsklima und Sicherheit und Gesundheit. Hier sollen in den nächsten zehn Jahren immer wieder neue Schwerpunkte gesetzt werden.

Wie bringt die Unfallkasse Rheinland-Pfalz die Kampagne in ihre Mitgliedsbetriebe? Wir haben mit Andreas Hacker, Präventionsleiter der Unfallkasse Rheinland-Pfalz, gesprochen und laden Sie ein mitzukommen.


Zehn Jahre, sechs Handlungsfelder – wie passt das zusammen?

Das übergeordnete Ziel der Kampagne ist, dass Sicherheit und Gesundheit bei allen Entscheidungen und Abläufen im Unternehmen als wichtiger Maßstab berücksichtigt werden. Und zwar von allen Menschen und in allen Unternehmen und Einrichtungen. Wir nutzen die kommenden zehn Jahre und die Vielfalt, die die Handlungsfelder uns bieten, um Sicherheit und Gesundheit fest in unseren Mitgliedsbetrieben zu integrieren.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Eine gute Präventionskultur – das ist das Ziel der neuen Kampagne kommmitmensch. Sicherheit und Gesundheit sollen ein selbstverständlicher Teil unseres Handelns am Arbeitsplatz sein. Nicht nur Führungskräfte sollen sich fragen, wie gefährlich die Arbeit für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein kann. Jeder Mensch im Unternehmen soll sein Handeln reflektieren. Fragen wie „Was bedeutet meine Arbeit für mich und mein Kollegium?“ und „Welche Konsequenzen ergeben sich also aus meiner Arbeitsweise für andere?“ sollen fest in den Köpfen der Menschen verankert sein. Da diese Kultur in besonderem Maße durch  das Handeln und Vorbild der Führungskräfte geprägt wird, starten wir mit dem Handlungsfeld Führung.


Warum steht ausgerechnet Führung am Anfang?

Führungskräfte sind Vorbilder und haben die weitreichendsten Gestaltungsmöglichkeiten. Eine Führungskraft, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sicherheit und Gesundheit predigt, dann aber im Stress anstelle der benötigten Mittagspause nur vor der  Tür eine schnelle Zigarette raucht, ist nicht glaubwürdig. Wenn aber die Bedeutung von gesundem und sicherem Arbeiten bei der Führungskraft angekommen ist und diese sich dafür einsetzt und es den mitarbeitenden Menschen jeden Tag vorlebt, dann werden auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Sicherheit und Gesundheit verinnerlichen und umsetzen. Erst wenn wir die Führungskräfte überzeugt haben, können wir auch die mitarbeitenden Menschen erreichen. Hinzu kommt, dass Handlungsfelder wie Kommunikation und Beteiligung unmittelbar mit Führung verknüpft sind. In diesen Handlungsfeldern geht es vor allem um Engagement, ehrlichen Austausch und Beteiligung der Belegschaft in betrieblichen Abläufen. Hier werden Offenheit, Transparenz und Wertschätzung gefordert. Dinge, die in einem Unternehmen nicht über Nacht entstehen, sondern langfristig vorgelebt werden müssen.

Was bedeutet das konkret für die Führungskraft?

Gute Führungskräfte pflegen eine gute Präventionskultur. Sie handeln selbstverständlich sicher und gesund und fordern so diese Haltung von der gesamten Belegschaft. Sie richten Möglichkeiten zum offenen Austausch ein. Sie widmen der Gesundheit ihrer Beschäftigten kontinuierlich Zeit und Aufmerksamkeit. Sie beachten Sicherheit und Gesundheit in ihren Führungsleitlinien. Sie behalten dabei nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit im Auge. Nur erkannte Probleme können gelöst werden. Und da bekanntlich vier Augen mehr als zwei sehen, sollten alle mitarbeitenden Menschen Probleme erkennen und ansprechen können. Diese Gespräche brauchen Raum und Zeit. Dafür sollten Führungskräfte sorgen.


Haben Führungskräfte nicht schon genug zu tun? Warum sollen sie sich jetzt auch noch damit beschäftigen?

Was ich in Prävention investiere, zahlt sich im Nachhinein mehr als doppelt aus. In einem sicheren und gesunden Betrieb mit einem guten Betriebsklima und einer guten Kommunikation sollten die Krankenstände sinken, Folgekosten von Unfällen und Erkrankungen abnehmen. Eventuell sind diese Effekte nicht so schnell sichtbar. Oft noch spürbarer ist die Auswirkung, dass mitarbeitende Menschen, die in gesunden und sicheren Betrieben arbeiten, leistungsbereiter und damit erfolgreicher sind. Die Betriebe profitieren also auch durch bessere Ergebnisse. Zusätzlich ist ein sicherer und gesunder Betrieb attraktiv für externe Bewerberinnen und Bewerber. Dies ist gerade in der Zeit des Demografiewandels und Fachkräftemangels nicht zu unterschätzen. Mit gutem Betriebsklima und guter Führung punkten vor allem die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber der öffentlichen Hand, die der freien Wirtschaft in der Bezahlung oft nachstehen.

Wie kann die Unfallkasse dabei unterstützen?

Die Unfallkasse Rheinland-Pfalz unterstützt interessierte Mitgliedsbetriebe in vielfältiger Weise, beispielsweise mit Handlungshilfen. Was das heißt: Sie erhalten auf Wunsch eine „kommmitmensch-Dialog-Box“. Diese unterstützt, miteinander zur Präventionskultur ins Gespräch zu kommen und Herausforderungen zu identifizieren. Neben einem Schnelltest zur Ermittlung des größten Handlungsbedarfs finden sich hier Dialogkarten. Diese enthalten dem jeweiligen Handlungsfeld angepasste Fragen, die die Kommunikation anregen und den Einstieg in das Thema erleichtern.

Führungskräfte können so gemeinsam mit ihrem Team die aktuelle Situation analysieren, Herausforderungen identifizieren und entsprechende Verbesserungsvorschläge erarbeiten. Materialien zur Veranschaulichung unterstützen die Teamarbeit und fördern den Austausch. Ein Blickfang erinnert schließlich an die Vereinbarungen: Die Ergebnisse werden nämlich per Poster so angebracht, dass sie von allen gesehen werden. So bleibt die individuelle Präventionskultur im Gedächtnis.


Welche Kosten sind damit verbunden?

Wir laden interessierte Betriebe zu Seminaren zum Handlungsfeld Führung ein, bei denen die kommmitmensch-Dialog-Boxen vorgestellt werden. Die an den Veranstaltungen teilnehmenden Betriebe erhalten kostenfrei die Unterlagen von der Unfallkasse. Sind die Dialoge in den Betrieben geführt und der Handlungsbedarf ermittelt, dann geht es an die Umsetzung. Inwieweit hier Kosten anfallen, hängt immer von den Erfordernissen der Betriebe und den Ergebnissen ab.

Bedenken Sie: Eine Investition in  sichere und gesunde Arbeitsplätze für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist auch eine Investition für die Wirtschaftlichkeit und den Erfolg des Unternehmens.

Mein Appell: Gehen Sie diesen Schritt! Ein sicherer und gesunder Arbeitsplatz ist ein Ort, an dem die Menschen wertgeschätzt werden. Gegenseitige Wertschätzung führt zu einer enormen Steigerung des Betriebsklimas.Das wiederum steht für attraktive  Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Und die haben nach unserer Erfahrung weniger Probleme mit  hohen Krankheitsständen und der Besetzung freier Stellen. Sie sehen: Prävention ist nicht nur ein Gewinn für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie trägt zur Existenzsicherung des Unternehmens bei.

Vielen Dank, Herr Hacker.