Mit Stift und Pinsel gegen Gefahren
Wettbewerb zeigt, was Schülerinnen und Schüler bewegt
Für den traditionsreichen Mal- und Zeichenwettbewerb „Einfälle gegen Unfälle“ der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und des Ministeriums für Bildung hat sich der Boden der Sporthalle der IGS Plaidt auch in diesem Jahr wieder in ein riesiges Meer aus Farben und Botschaften verwandelt. Die 3526 eingereichten Bilder von Sechstklässlerinnen und Sechstklässlern aus 102 rheinland-pfälzischen Schulen funktionieren dabei wie ein Seismograph für die Veränderungen in der Lebenswelt der Kinder: Neben „Klassikern“ der Unfallprävention spiegeln die Bilder inzwischen oft auch hochaktuelle digitale und gesellschaftliche Phänomene sowie Ängste wider.
Der Wettbewerb verbindet zwei Welten, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Kunst und Unfallverhütung. Doch die Schülerinnen und Schüler beweisen Jahr für Jahr, wie gut das funktioniert. Mit Stiften, Wasserfarben und Fantasie setzen sie sich mit den Gefahren ihres Alltags auseinander und zeigen, wie sie sich vermeiden lassen.
Zwischen Airbags für Stühle und drastischen Warnungen
Die Bandbreite der Ideen reicht von humorvollen Alltagstipps bis hin zu hochinnovativen Erfindungen zur Unfallverhütung. Ratschläge wie „Be(e) careful“ beim Barfußlaufen auf der Wiese, „Immer Schnürsenkel zuhaben“ oder „Finger weg vom Handy“ finden sich da. Manche Kinder beweisen echten Erfindergeist: Sie zeichnen Kameraautos, die bei roten Ampeln automatisch bremsen, versenkbare Poller an Zebrastreifen oder einen „Super-Stuhl-Airbag“, der beim Kippeln im Unterricht schützt.
Zu den beliebtesten Themen gehörten in diesem Jahr die Ablenkung durch Smartphones im Straßenverkehr, Waldbrände, Bade- und Reitunfälle sowie der gefährliche Umgang mit Messern. Auch Appelle wie „Nicht jeden Trend mitmachen“ und Warnungen vor riskanten Mutproben brennen den Elf- und Zwölfjährigen unter den Nägeln.
Dilemma für die Jury: Große Kunst, aber Thema verfehlt
Die Sichtung der Bilderflut stellt die Jury wie in jedem Jahr vor eine große Herausforderung. Neben den erfahrenen Juroren Bernd Kammer, Tanja Loderhose, Christian Hacker und Anne-Catherine Höhn sowie Jördis Hasler von der UK RLP war in diesem Jahr Ute Rodinger vom Bildungsministerium neu in der Runde dabei. Ihnen allen sind Schülerjurorinnen und -juroren der IGS Plaidt an die Seite gestellt.
Trotz aller Begeisterung über das kreative Niveau einiger Bilder zeigt sich ein Dilemma: Viele Darstellungen sind zwar handwerklich wunderschön gestaltet, gehen jedoch am eigentlichen Kern des Wettbewerbs vorbei. „Viele Bilder rücken wichtige, dramatische Themen ins Licht, wie etwa ‚Stranger Danger‘, Mobbing, Drogen, Rauchen, Selbstverletzung oder Depressionen“, erklärt Juror Christian Hacker. So wichtig diese Botschaften sind – mit dem eigentlichen Unfallschutz im Sinne von „Einfälle gegen Unfälle“ haben sie leider nichts zu tun.
Neue Gefahren im Fokus
Bei den Themen gibt es viele alte Bekannte, aber auch überraschende Entdeckungen. Bernd Kammer, der als Juror schon lange dabei ist, nennt Beispiele: „Das Thema Eichenprozessionsspinner habe ich noch nie gesehen. Auch das Thema ‚Schmuck ausziehen beim Sport‘ ist mir neu.“ Mit Blick auf die vielen Smartphone-Motive wird klar, wie viel sich in der jüngeren Vergangenheit grundlegend verändert hat. „Dieses Thema hatten wir vor 25 Jahren noch nicht“, konstatiert Jördis Hasler.
Für Ute Rodinger ist die schiere Masse an Bildern überwältigend. „Für mich ist es das erste Mal als Jurorin, aber es macht Spaß“, meint sie. Rodinger bedauert jedoch einen optischen Nebeneffekt der Sichtung: „Schade, dass man die Bleistiftzeichnungen oft übersieht.“ Im direkten Vergleich rücken stark farbige, plakative Motive meist schneller in den Fokus.
Feierliche Prämierung folgt
Nach mehreren Stunden intensiver Sichtung stehen die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger in den verschiedenen Schulform-Kategorien nun fest. Die Schulen werden postalisch benachrichtigt, bevor die offizielle Ehrung im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung am Ende des Jahres bei der Unfallkasse in Andernach stattfindet. Auf die Gewinnerinnen und Gewinner warten Geld- und Buchpreise.
Logistischer Kraftakt hinter den Kulissen
Hinter dem kreativen Farbenmeer auf dem Hallenboden steckt ein enormer organisatorischer Aufwand. Rund 100 dicke Bilder-Pakete aus ganz Rheinland-Pfalz erreichen Jahr für Jahr die Unfallkasse in Andernach. Am Tag vor der eigentlichen Jurysitzung werden die mehr als 3000 Kunstwerke in die Sporthalle transportiert und mithilfe von Schülerinnen und Schülern der gastgebenden IGS nach Schulformen getrennt akkurat in Fünferreihen auf dem Hallenboden ausgelegt.
Für alle Beteiligten ist das immer ein beeindruckendes Bild. Wenn da nicht der Ärger mit der ungewollten Anonymität wäre: Immer wieder steht auf der Rückseite der Bilder lediglich der Name des Kindes, nicht aber der Name der Schule – obwohl in der Ausschreibung ausdrücklich darauf hingewiesen wird. „Das macht eine Zuordnung unmöglich – solche Bilder sind leider von vornherein aus dem Rennen“, erklärt Jördis Hasler.
Nach der Jurysitzung wird die gesamte Halle wieder geräumt. Die Siegerbilder werden für die Preisverleihung eingelagert, aus den übrigen werden später noch Bilder für den nächsten Kalender des Mal- und Zeichenwettbewerbs ausgewählt. Eine Rücksendung der Bilder an die Schulen ist angesichts der schieren Fülle leider nicht möglich.
Mehr Informationen zum Mal- und Zeichenwettbewerb „Einfälle gegen Unfälle“ gibt es auf der Homepage der Unfallkasse Rheinland-Pfalz.