Prävention, die wirkt
Vier Schulen zeigen, wie Engagement, Kreativität und Verantwortung den Schulalltag sicherer machen
Ob im Wasser, auf dem Schulhof, im Klassenzimmer oder auf dem Schulweg – Prävention hat viele Gesichter. Das zeigen vier Schulen aus Rheinland‑Pfalz, die in diesem Jahr mit dem Präventionspreis der Unfallkasse Rheinland‑Pfalz (UK RLP) ausgezeichnet wurden. Ihre Projekte sind so unterschiedlich wie die Kinder und Jugendlichen, die sie erreichen. Und doch verbindet sie etwas: Sie stärken junge Menschen, fördern Verantwortung und schaffen sichere Lern‑ und Lebensräume.
Rettungsschwimmen im Schulprofil: Die Carmen-Sylva-Schule Neuwied
Was an der Carmen-Sylva-Schule Neuwied-Niederbieber als Arbeitsgemeinschaft (AG) begann, ist heute ein Aushängeschild der Schule: Die AG Rettungsschwimmen vermittelt Jugendlichen nicht nur Schwimmtechniken, sondern Lebenskompetenzen. Unter der Leitung von Michael Fuxius erwerben Schülerinnen und Schüler – mitunter sogar Lehrkräfte – Rettungsschwimmabzeichen in Bronze oder Silber. Viele engagieren sich später in der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) oder leisten Rettungswachdienst an der Nord‑ und der Ostsee.
Die Jury der Unfallkasse Rheinland-Pfalz würdigte insbesondere den nachhaltigen Charakter des Projekts. Mehr Nachhaltigkeit geht nicht: Die AG Rettungsschwimmen stärkt Verantwortungsbewusstsein, Teamgeist sowie ehrenamtliches Engagement und wirkt weit über die Schulzeit hinaus.
Konflikte lösen statt eskalieren: Das Freiherr-vom Stein-Gymnasium Betzdorf
Seit mehr als 20 Jahren bildet das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Betzdorf Streitschlichterinnen und Streitschlichter aus – ein Konzept, das über die Region hinausstrahlt. Jedes Jahr werden 12 bis 16 Jugendliche qualifiziert, die in Pausen und Projekten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Das Programm wurde kontinuierlich weiterentwickelt und sogar international verbreitet: Im Rahmen von Erasmus‑Projekten wurde das Konzept ins Englische und Italienische übertragen und an Partnerschulen in mehreren europäischen Ländern eingeführt.
Die Jury der Unfallkasse Rheinland-Pfalz lobte die außergewöhnliche Nachhaltigkeit und Reichweite des Projekts. Viele ehemalige Streitschlichterinnen und Streitschlichter haben aufgrund ihrer Erfahrungen sogar ein Psychologie‑ oder Lehramtsstudium mit Schwerpunkt Konfliktpädagogik gewählt – ein Zeichen für die langfristige Wirkung dieser Art schulischer Präventionsarbeit.
Bewegung, Gesundheit, Miteinander: Die Grundschule Atzelgift-Streithausen
Unter dem Motto „Alles für die Kinder! Bewegung und Gesundheit! Soziales Miteinander!“ hat die Grundschule in Atzelgift-Streithausen ein umfassendes Präventionskonzept entwickelt, das den gesamten Schulalltag prägt. Mit dazu gehören vielfältige Bewegungsangebote auf dem Schulhof, Kooperationen mit Sportvereinen, ein Mitmach-Zirkusprojekt, vielfältige Sonnenschutzmaßnahmen, zwei Schulhunde als Vorlesehunde, ein Barfußpfad und eine Golf‑AG.
Schulleiter Daniel Busch beschreibt die Grundschule Atzelgift-Streithausen als einen Ort, an dem Wertschätzung und Freude an Bewegung selbstverständlich sind. Seit 2023 ist die Schule zudem „Partnerschule für Bewegung, Spiel und Sport“ des Landes – eine weitere Anerkennung für ihr vorbildliches Engagement.
Der Nachwuchs übernimmt Verantwortung: „Kinder gegen Elterntaxis“ in Bad Marienberg
Am Schulzentrum Bad Marienberg wollten Schülerinnen und Schüler nicht länger zusehen, wie das morgendliche Verkehrschaos ihre Sicherheit gefährdet. Also wurden sie selbst aktiv: Gemeinsam mit Polizei, Ordnungsamt und Presse organisierte die Schülervertretung des Evangelischen Gymnasiums gemeinsam mit den Schülervertretungen der Michael‑Ende‑Schule und der Wolfsteinschule eine mehrtägige Aktion: Sie verteilten Flyer, klärten Eltern über Gefahren auf und zeigten sichere Alternativen zum „Elterntaxi“ auf.
Die Jury zeigt sich besonders davon beeindruckt, dass die Initiative vollständig von den Jugendlichen selbst ausging. Das Projekt ist innovativ, nachhaltig und leicht übertragbar. Außerdem stärkt es die Selbstwirksamkeit der Kinder, die sich aktiv für ihre eigene Sicherheit einsetzen.
Vier Projekte, ein gemeinsames Ziel
Sicherheit muss nicht trocken oder belehrend sein – das beweisen die vorgestellten Präventionspreis‑Projekte. So unterschiedlich sie sind, zeigen sie doch alle, was Prävention an Schulen im besten Sinne bedeutet: Kinder und Jugendliche werden gestärkt; Sicherheit wird erlebbar und alltagsnah vermittelt. Und nicht zuletzt: Engagement wächst aus eigener Motivation.
Mit dem Präventionspreis zeichnet die UK RLP seit 2009 Einrichtungen aus, die sich in besonderer Weise für Sicherheit und Gesundheit einsetzen. Der Preis richtet sich an alle Mitglieder der Unfallkasse – von Schulen über Kommunen bis hin zu Hochschulen. Jährlich werden bis zu 20.000 Euro vergeben. Weitere Informationen zur Teilnahme sind auf unserer Seite zum Präventionspreis abrufbar.