Direkt zum Inhalt der Seite springen

Unfallkasse Rheinland-Pfalz | Ode an den Sommer

Ode an den Sommer

Sabrina Busch: „Seit der Querschnittverletzung reagiert mein Körper auf brüllende Hitze“

Der Sommer und ich haben eine etwas komplizierte Beziehung. Als Kind im Sommerurlaub an der Nordsee, verschwand ich als erste Amtshandlung am Strand, zunächst einmal unter einer dicken, klebrigen, weißen Masse. Das kleine Gespenst von Nordwijk oder so. Ein Hautarzt bekundete mir Jahre später: „Sie sind so der keltische Typ. Bewahren Sie sich das.“

Was er damit meinte: Sie sind und bleiben schneeweiß und sonnenempfindlich. Halten Sie sich gefälligst im Schatten auf.

Sicherheitsvorkehrungen für „Keltische Typen“

Ich und viele weitere „keltische Typen“ müssen im Sommer also Sicherheitsvorkehrungen treffen, Sonnencreme, etwas zum Überwerfen, falls die Schultern in Flammen stehen, Sonnenbrille und im besten Falle auch einen Sonnenhut. Idealerweise halte ich mich zwischen 12 und 15 Uhr auch grundsätzlich gar nicht in der Sonne auf.

Seit meiner Querschnittverletzung findet mein Kreislauf die brüllende Hitze, die uns jetzt immer öfter einholt, auch nicht mehr so verträglich. Und das macht mir dies im schlimmsten Falle auch deutlich. Neben den Sorgen um unseren strapazierten Planeten bringen die ersten Sommertage jedoch auch immer ein Gefühl von wiederentdeckter Freiheit mit sich.

Ich finde den Herbst und Winter in der Theorie immer angenehmer. Ich ziehe mich warm an und kann kleine Wölkchen in die Luft atmen. Wenn ich wieder ins warme Haus komme, fühle ich mich sofort dazu berechtigt, auf der Couch zu versacken und mich dem Nichtstun hinzugeben. Aber in der Praxis findet mein querschnittgelähmter Körper die Kälte seit jeher auch nicht mehr angenehm. Er ist sehr anspruchsvoll geworden, das muss ich zugeben. Er hat oft etwas an seiner Umgebung oder dem Wetter auszusetzen. Meine Beine und Füße kühlen in Sekundenschnelle aus und lassen sich nur noch mit starken Mitteln wieder aufwärmen. Ich meine jetzt eher einem heißen Bad anstatt Glühwein, aber Glühwein kann übergangsweise auch helfen.

Aufs Vorspannbike und losdüsen

Aber – und da ist es das großgeschriebene ABER: Wenn die Tage länger werden, die Sonne endlich wieder rauskommt und das warme Bad ersetzt, wir auf der Terrasse essen und im Garten werkeln können, heißt das auch, dass ich spätestens jetzt mein Vorspannbike auspacken und losdüsen kann.

An den Felder vorbei weht mir der kühle Fahrtwind entgegen und am Ende des Trips stehe ich im Hof eines Obsthändlers, bei dem ich große, rote Erdbeeren erstehe und von denen ich die ein oder andere auf dem Heimweg nasche.

Meine Muskeln, die sich im Winter gerne aus Unwohlsein über die Kälte zusammenziehen, entspannen sich auf meiner Sonnenliege und freuen sich über die kostenlose Infrarotbehandlung der Sonne. Abends genießen wir ein Glas Blanc de Noir auf der Terrasse und stellen immer wieder aufs Neue erstaunt fest, wie resilient unser Garten ist.

Sommer zeigt sich in Bestform

Rosen aus einer Zeit, lange bevor wir eingezogen sind, bilden fleißig Knospen, Akelei blühen jedes Jahr im Frühling an neuen Stellen auf, die Pfingstrosen stehlen für kurze Zeit allen andere Pflanzen die Show und die kleinen Tomatenpflanzen verheißen uns eine reiche Ernte, wenn wir uns weiterhin gut um sie kümmern.

Der Sommer zeigt sich in Bestform und lädt zu Erkundungstouren, Schwimmbadabstechern und Dämmerungsspaziergängen ein. Der Akku meines Fahrrads lädt im Flur und meine Sonnenbrille ist poliert. Ich bin bereit.

Sabrina Busch